Mittwoch, 3. August 2011

Medienfreiheit das einzige Menschenrecht?

Der ehemalige russische Präsiden Wladimir Putin erhält den Quadriga-Preis für sein mutiges Engagement für eine stabile Deutsch-Russische Freundschaft, und die deutsche Intelligenzia läuft sturm, bis das Gremium beschliesst, dieses Jahr keinen Preis zu verleihen. Dieser Vorgang passt perfekt in unsere Zeit, wo Europa zunehmend selbstgerecht alles verurteilt, was nicht so ist wie Europa oder die USA. Dass Putin nach Jahren der Jelzinistischen Korruption und Stagnation es geschafft hat, Russland auf den zielstrebigen Weg nach vorne zu bringen, ist durchaus so manchen Preis wert. Dass er dafür eine gewisse Härte walten liess, ist unter gegebenen Russischen Umständen wohl unumgänglich. Und mein Mitleid mit den angeblich eingeschränkten Medienschaffenden in Russland hält sich in engen Grenzen, wenn ich an die britischen Medien denke.

Putin ist ein weiterer klarer Fall eines Regierungsystems (für welches er auch heute noch steht), welches vom regierten Volk zu grössten Teilen enorm geschätzt wird und zugleich im Westen in aller Schärfe kritisiert wird. Weshalb wird Putin so kritisiert? Angeblich geht es um Freiheit, Menschenrechte oder Demokratie. Wäre dem so, müsste Israel und Saudi Arabien täglich in grösster Empörung in unseren Medien kritisiert werden. Das einzige „Menschenrecht“, das bei uns wirklich als zentral behauptet wird, ist das Recht auf freie Presse. Der Grund dafür ist einfach: Es ist dasjenige Recht, von dem unsere Journalisten betroffen sind. Was kümmert einen Journalisten das Recht auf Nahrung? Hungernde Kinder geben Einschaltquoten, direkt betroffen ist bei uns niemand. Das Recht auf Arbeit? Journalisten haben ja ihre Anstellung. Religionsfreiheit? Äusserst selektiv: Wenn es zum Beispiel um das Recht einer Muslimin ein Kopftuch zu tragen geht, dann sind unsere selbsterklärten Verfechter der Menschenrechte auffällig still. Das einzige was unsere Journalisten wirklich kategorisch verurteilen, ist wenn sie und ihre Berufsgenossen eingeschränkt werden.

Journalisten sind auch nur Menschen, ihre Denkweise nachvollziehbar. Das Problem ist nur, dass viele Europäer glauben, unsere Medien berichteten „die Wahrheit“, da sie ja „frei“ und „neutral“ seien. Somit werden Racheberichte einzelner Journalisten plötzlich zu einer objektiv angenommenen Realität, persönliche Abneigungen führen zu politischen Spannungen weil unsere Politiker gezwungen sind, nach den Emotionalitäten der Medien zu agieren. Kein Politiker kann sich Freundschaft leisten zu jemandem, der von unseren Medien als böse eingestuft ist. In unserem Glauben an freie Medien haben gerade wir Europäer die Fähigkeit unsere Medien zu hinterfragen verloren.

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