"Todesrate bei Offroadern massiv gefallen." Diese Schlagzeile in der "USA Today" Tageszeitung sagt mehr über die Kulturunterschiede zwischen Europa und den USA aus, als man zuerst vielleicht denkt. Im Artikel wird ausführlich beschrieben, wie deutlich die Anzahl tödlicher Umfälle von Offroadern abgenommen hat, weil diese mit neuer Computerunterstützung weniger überrollen. Experten werden zitiert mit Aussagen darüber, wie problematisch es sei, wenn Umweltgesetze höhere Benzineffizienz verlangten, da dies die Offroader verteuern würde. Statistiken werden aufgeführt um zu zeigen, wie deutlich sicherer Offroader gegenüber Kleinwagen seien. Dies zeige, warum die Amerikaner so gerne grosse Autos hätten...
Kein Wort darüber, was mit jenen passiert, die von einem Offroader getroffen werden. Sicherheit beginnt und endet mit der eigenen Person. Während die Schweiz darüber diskutiert, ob Offroader verboten gehören, wegen der Gefahr die sie für Fussgänger, Fahrrad- und Kleinwagenfahrer darstellen, sieht man in den USA die Sicherheit wenn der andere stirb und man selber lebt. Das Recht auf totalen Egoismus, das ist ein Grundprinzip in den USA.
Gleichzeitig haben die Amerikaner ein enormes Gerechtigkeitsempfinden. "I have the right" ist der Satz, der aller rechtfertigt. Das beginnt damit, dass sich jemand zur Weissglut ärgert, weil sich jemand im Lift vorgedrängt hat - ungeachtet der Tatsache, dass im Lift genug Platz für alle war - und endet dort, wo ein staatliches Gericht befindet, dass eine Frau zurecht entlassen worden sei, weil sie positiv auf Marijuana getestet wurde - ungeachtet der Tatsache, dass sie das Marijuana auf legalem Weg für medizinische Zwecke zu sich nimmt. Die Richter befanden, die Verfassung des besagten Staates sehe keine Ausnahme vor, um legale Konsumenten zu schützen. Man macht also ein Gesetz, dass die legale Abgabe von Hanf erlaubt, aber solange nicht ein weiteres Gesetz besagt, dass die davon begünstigten Leute nicht diskriminiert werden dürfen, sind sie nicht geschützt. Man lebt hier nach dem Buchstaben, nicht nach der Vernunft. Extremes Beispiel hiervon wäre ein Jubiläum des ersten Militäreinsatzes zu Luft - eine Ballonfahrt zum Auskunden gegnerischer Stellungen, unterstützt durch Fernglas und Telegraph vor 150 Jahren im Amerikanischen Bürgerkrieg - welches in Washington D.C. stattfindet. Dafür wird die Szene nachgespielt, der Nachbau des Ballons bleibt aber am Boden, weil das Gesetz für D.C. freien Luftraum befiehlt...
Umgekehrt muss man aber auch sehen, dass wenn man das Gesetz auf seiner Seite hat, man wirklich viel erreichen kann. Beispiel dazu wäre ein Artikel im Gedenken an die "Freedom Rides" wo schwarze und weisse Studenten zusammen in den 60ern mit öffentlichem Verkehr in die Südstaaten reisten, um dafür zu protestieren, dass Schwarze die gleichen Abteile wie weisse benutzen dürfen. In einer Stadt wurde diese Fahrt gewaltsam gestoppt und die Polizei schaute nur zu. Erst danach trat ein nationales Gesetz in Kraft, welches Segregation verbot. Die gleiche Stadt versucht nun Touristen anzulocken mit einer Gedenkstädte für diese Übergriffe. Schwarze sind in der Verwaltung, Polizei und Stadtrat vertreten. Dies ist durchaus ein Beispiel, wie Amerikaner ehrlich umdenken können, wenn sich die Gesetze ändern.
Die Vorstellung der Amerikaner von Freiheit ist, Gesetze zu haben, die vieles erlauben. Es wirkt wie eine Fortführung der Cowboy-Mentalität nach der alles erlaubt ist, was richtig und gerecht ist. Man ersetze gerecht durch rechtmässig, und schon ist man im Korsett des absoluten Gesetzesstaates, welcher bester Nährboden für einen überbordenden Justizapparat ist. Gesetze sind nicht mehr da, um eine Grundstabilität zu bilden, innerhalb derer gesittete Menschen sich nach guten Sitten und Moral verhalten. Gesetze sind die Moral, und Sitten sind Privatsache. So einengend ich diese Denkweise empfinde, so muss ich doch zugeben, dass sie den Grundstein für den amerikanischen Multikulturalismus legt. San Francisco hat Strassen, auf denen man gerne mal 90 Minuten geradeaus spazieren kann. Dabei ändert sich das Stadtbild alle 15-20 Minuten komplett: Von Chinatown (wo selbst Strassenschilder nebst englisch auch auf chinesisch angeschrieben sind) ins Schwarzenviertel, ins Bettlerviertel, Kunstviertel, Schwulen-Lesben-Viertel und dann in die Hügel wo man etwas durchatmen kann, vor es in die Vororte geht. Es herrscht eine Art freiwillige Segregation die daraus resultiert, dass Leute gerne mit Ihresgleichen zusammen sind. Um Konflikte zu vermeiden gibt es ein sehr engmaschiges Netz von Gesetzen, die alles genau ausdefinieren. Die skurrilen Warnhinweise, dass z.B. heisser Kaffee zu Verbrühungen führen kann, sind ein Ausfluss davon, dass man vom anderen nie erwarten können muss, dass er etwas wisse. Da ich weiss, dass die Leute im nächsten Viertel völlig anders sind als ich, habe ich auch keine Ahnung, was für sie selbstverständlich ist. Man würde meinen, dieses Wissen bereite Amerikaner sehr gut auf Aufenthalte im Ausland, in anderen Kulturen vor. Das Problem ist aber, dass in den USA alles sehr explizit ist und eben im Zweifelsfalle das gilt, was irgendwo in einem Gesetz geschrieben steht. Das Implizite, die "guten Manieren", das "Selbstverständliche", darauf sind Amerikaner schlecht vorbereitet. Ich meinte aber, wenn man es ihnen erklären würde, wären Amerikaner viel schneller fähig, sich in anderen Kulturen "gut" zu verhalten. Ich meine dies als Hinweis an alle, die mit Amerikanern zusammenarbeiten, und sich über deren Selbstherrlichkeit und Grosskotzigkeit ärgern. Versucht mal, ihnen zu erklären, was bei uns "richtig" ist und schaut was passiert...
Kein Wort darüber, was mit jenen passiert, die von einem Offroader getroffen werden. Sicherheit beginnt und endet mit der eigenen Person. Während die Schweiz darüber diskutiert, ob Offroader verboten gehören, wegen der Gefahr die sie für Fussgänger, Fahrrad- und Kleinwagenfahrer darstellen, sieht man in den USA die Sicherheit wenn der andere stirb und man selber lebt. Das Recht auf totalen Egoismus, das ist ein Grundprinzip in den USA.
Gleichzeitig haben die Amerikaner ein enormes Gerechtigkeitsempfinden. "I have the right" ist der Satz, der aller rechtfertigt. Das beginnt damit, dass sich jemand zur Weissglut ärgert, weil sich jemand im Lift vorgedrängt hat - ungeachtet der Tatsache, dass im Lift genug Platz für alle war - und endet dort, wo ein staatliches Gericht befindet, dass eine Frau zurecht entlassen worden sei, weil sie positiv auf Marijuana getestet wurde - ungeachtet der Tatsache, dass sie das Marijuana auf legalem Weg für medizinische Zwecke zu sich nimmt. Die Richter befanden, die Verfassung des besagten Staates sehe keine Ausnahme vor, um legale Konsumenten zu schützen. Man macht also ein Gesetz, dass die legale Abgabe von Hanf erlaubt, aber solange nicht ein weiteres Gesetz besagt, dass die davon begünstigten Leute nicht diskriminiert werden dürfen, sind sie nicht geschützt. Man lebt hier nach dem Buchstaben, nicht nach der Vernunft. Extremes Beispiel hiervon wäre ein Jubiläum des ersten Militäreinsatzes zu Luft - eine Ballonfahrt zum Auskunden gegnerischer Stellungen, unterstützt durch Fernglas und Telegraph vor 150 Jahren im Amerikanischen Bürgerkrieg - welches in Washington D.C. stattfindet. Dafür wird die Szene nachgespielt, der Nachbau des Ballons bleibt aber am Boden, weil das Gesetz für D.C. freien Luftraum befiehlt...
Umgekehrt muss man aber auch sehen, dass wenn man das Gesetz auf seiner Seite hat, man wirklich viel erreichen kann. Beispiel dazu wäre ein Artikel im Gedenken an die "Freedom Rides" wo schwarze und weisse Studenten zusammen in den 60ern mit öffentlichem Verkehr in die Südstaaten reisten, um dafür zu protestieren, dass Schwarze die gleichen Abteile wie weisse benutzen dürfen. In einer Stadt wurde diese Fahrt gewaltsam gestoppt und die Polizei schaute nur zu. Erst danach trat ein nationales Gesetz in Kraft, welches Segregation verbot. Die gleiche Stadt versucht nun Touristen anzulocken mit einer Gedenkstädte für diese Übergriffe. Schwarze sind in der Verwaltung, Polizei und Stadtrat vertreten. Dies ist durchaus ein Beispiel, wie Amerikaner ehrlich umdenken können, wenn sich die Gesetze ändern.
Die Vorstellung der Amerikaner von Freiheit ist, Gesetze zu haben, die vieles erlauben. Es wirkt wie eine Fortführung der Cowboy-Mentalität nach der alles erlaubt ist, was richtig und gerecht ist. Man ersetze gerecht durch rechtmässig, und schon ist man im Korsett des absoluten Gesetzesstaates, welcher bester Nährboden für einen überbordenden Justizapparat ist. Gesetze sind nicht mehr da, um eine Grundstabilität zu bilden, innerhalb derer gesittete Menschen sich nach guten Sitten und Moral verhalten. Gesetze sind die Moral, und Sitten sind Privatsache. So einengend ich diese Denkweise empfinde, so muss ich doch zugeben, dass sie den Grundstein für den amerikanischen Multikulturalismus legt. San Francisco hat Strassen, auf denen man gerne mal 90 Minuten geradeaus spazieren kann. Dabei ändert sich das Stadtbild alle 15-20 Minuten komplett: Von Chinatown (wo selbst Strassenschilder nebst englisch auch auf chinesisch angeschrieben sind) ins Schwarzenviertel, ins Bettlerviertel, Kunstviertel, Schwulen-Lesben-Viertel und dann in die Hügel wo man etwas durchatmen kann, vor es in die Vororte geht. Es herrscht eine Art freiwillige Segregation die daraus resultiert, dass Leute gerne mit Ihresgleichen zusammen sind. Um Konflikte zu vermeiden gibt es ein sehr engmaschiges Netz von Gesetzen, die alles genau ausdefinieren. Die skurrilen Warnhinweise, dass z.B. heisser Kaffee zu Verbrühungen führen kann, sind ein Ausfluss davon, dass man vom anderen nie erwarten können muss, dass er etwas wisse. Da ich weiss, dass die Leute im nächsten Viertel völlig anders sind als ich, habe ich auch keine Ahnung, was für sie selbstverständlich ist. Man würde meinen, dieses Wissen bereite Amerikaner sehr gut auf Aufenthalte im Ausland, in anderen Kulturen vor. Das Problem ist aber, dass in den USA alles sehr explizit ist und eben im Zweifelsfalle das gilt, was irgendwo in einem Gesetz geschrieben steht. Das Implizite, die "guten Manieren", das "Selbstverständliche", darauf sind Amerikaner schlecht vorbereitet. Ich meinte aber, wenn man es ihnen erklären würde, wären Amerikaner viel schneller fähig, sich in anderen Kulturen "gut" zu verhalten. Ich meine dies als Hinweis an alle, die mit Amerikanern zusammenarbeiten, und sich über deren Selbstherrlichkeit und Grosskotzigkeit ärgern. Versucht mal, ihnen zu erklären, was bei uns "richtig" ist und schaut was passiert...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen