In einer Zeit wo in Europa eine zunehmende Gleichschaltung des Denkens zu beobachten ist, wo Medien sich selbst zensieren und Journalisten ihre Meinungen verstecken aus Angst vor öffentlicher Kritik, oder vor Kritik von Vorgesetzten oder Sponsoren, versucht dieser Blog, eine sehr andere Sicht auf die Welt zu formulieren. Diese meine Sicht hat sich über die Jahre entwickelt, als eine Synthese aus den verschiedenen Phasen meiner Biographie. In diesem Sinne seien einige Punkte daraus erwähnt, ohne dies zu einem Selbstdarstellungs-Blog zu machen: Aus der schweizer Bildungsschicht stammend, war ich ende Gymnasium sehr aktiv in der kommunistisch, anarchistisch, links-alternativen Aktivisten-Szene der Jahrtausendwende. Dies war für mich die natürliche Konsequenz aus meinen Idealen des ehrlichen, selbstverantwortlichen Bürgers, der sich für Schwache und die Natur einsetzt und daher automatisch ein Gegner des Kapitalismus sein müsse.
Es folgte ein Studium der Volkswirtschaft an der Uni St. Gallen, sowie insbesondere eine einjährige Reise nach Ostasien. Am deutlichsten spürte ich bei der Ankunft in Shanghai, wie unrealistisch unsere europäischen Träumereien von Weltrevolution waren. Wer einmal eine Stadt mit über 20 Millionen Einwohnern (mehr als die Schweiz und Österreich zusammen) gesehen hat, der sieht wie immens wichtig es ist, dass die gesellschaftliche Evolution sanft und bruchlos vor sich geht, denn in einer Revolution bricht stets zu einem Zeitpunkt die gesamte Logistik zusammen, welche untentbehrlich ist, um eine solche Megastadt zu ernähren. Während man in Europa leicht einmal sagen kann: "dann müssen die Leute halt in ihren Gärten Gemüse anbauen", ist eine solche Aussage für eine 20-Millionen-Stadt schlicht sinnlos.
Während meine Mitstudenten in der VWL also lernten, dass der freie Markt auch aus theoretischer Sicht nicht für alle Produkte sinnvoll ist, lernte ich zugleich, dass es durchaus Bereiche gibt, wo dieser Sinn macht. Was mir aber stets wichtig war und ist, ist das selbständige, unabhängige Denken. "Ein Nobelpreisträger hat dies bewiesen" ist für mich niemals eine gültige Legitimierung für eine Theorie, die ich nicht nachvollziehen kann.
Mit dieser Einstellung ausgestattet war es mir möglich, Japan, China und die Philippinen sehr anders zu sehen, als dies in Europa allgemein getan wird. Ich unterrichtete 7 Monate Englisch in der zweitärmsten Provinz Chinas (Jilin, im Nordosten Chinas, ärmer ist nur noch Yunnan im Süden), in einer Stadt mit rund 200'000 Einwohnern (Songyuan), einer mongolischen Stadtverwaltung, und genau einer Bar. Die Erfahrung von einer solchen "Kleinstadt" hat mich sehr geprägt und wird in viele spätere Kommentare einfliessen, ist aber zu umfangreich um in dieser Einführung erklärt zu werden.
Nach diesem Jahr in Asien arbeitete ich 3 Jahre lang in einem schweizer Kleinunternehmen, bis 2008 die Geschäfte schlecht liefen, ich betriebsintern keine Weiterbildung machen konnte, und nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit den Weg zurück an die Uni fand. In der Zeit war ich mal mehr mal weniger politisch aktiv im Umfeld der Grünen Partei Schweiz.
Zur Zeit studiere ich Strategy and International Management an der Uni St. Gallen, beginne in Kürze ein Praktikum bei einem renommierten, globalen Beratungsunternehmen und gehe danach in den Austausch nach Manila, Philippinen sowie Peking, China. Das hochspannende Studium im "Elite-Master-Programm" der Uni St. Gallen, sowie der Zugang zu zahlreichen Management-Consultants in allen grossen Unternehmensberatungsfirmen hat mir nochmals einen völlig neuen Einblick in die Welt der Macht gezeigt.
Ich schrieb immer wieder Leserbriefe, und werde auch weiterhin solche schreiben, vor allem im St. Galler Tagblatt (www.tagblatt.ch/archiv), manchmal auch im Tagesanzeiger sowie der NZZ. Die Schwierigkeit beim Tagesanzeiger ist wohl, das meine chinafreundliche Meinung dort nicht wilkommen ist, während die NZZ politisch zwar offener ist, aber halt allgemein sehr strenge Kriterien hat, bei der Auswahl von Einsendungen.
Dieser Blog soll es einer interessierten Öffentlichkeit ermöglichen, regelmässiger meine Kommentare zum allgemeinen Weltgeschehen zu verfolgen. Zudem hoffe ich auch auf kritische oder unterstützende Reaktionen sowie offene Diskussionen. Viele werden mir nicht immer zustimmen, ich hoffe auch immer wieder mal mit meinen Ansichten überraschen zu können. Widerspruch ist dabei sehr willkommen und ich will versuchen, auf Anfragen aller Art zu reagieren. Ich bitte einfach, solche Anfragen im Sinne von "kannst du mir das erklären" zu stellen, und nicht im Sinne von "du Vollidiot".
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