Menschenrechte, was für ein hehres Wort. Was für ein schönes Ideal. Jeder Mensch hat von Geburt her gewisse Rechte, die ihm oder ihr nicht genommen werden dürfen. Und was für eine ethnozentrische Arroganz in der tatsächlichen Umsetzung. Natürlich gibt es ein paar ganz wenige Rechte, wo sich wohl alle Kulturen einig sind: Das Recht auf Leben, zumindest solange man kein grobes Unrecht tut.
Osama bin Laden hat dieses Recht in den Augen vieler im Westen verloren, in anderen Ländern verliert man dieses Recht, wenn man z.B. einen König beleidigt. Hier sollte bereits klar werden, dass die sogenannten "Schurkenstaaten" oder "Staaten, die die Menschenrechte mit Füssen treten" nicht grundlegend etwas anders machen als wir, sie setzen die Grenzen und Prioritäten einfach anders.
Da wäre einmal die Meinungsfreiheit. Dass man im privaten Kreise nicht sagen kann, was man denkt, das ist gefährlich und traurig. In der DDR soll es so gewesen sein, möglicherweise geht es in Nordkorea in die Richtung, in der chinesischen Kulturrevolution war es sicher so, und in den USA der frühen 50er (McCarthyism, Kommunistenjagt). Im heutigen China und wohl auch im Iran ist es problemlos möglich im geschlossenen Kreise einer Universität, oder im persönlichen Gespräch in der U-Bahn kritisch über die Regierung zu reden. Was aber gegen solche Gespräche spricht, sind die Gefühle der Lokalbevölkerung. Wer in China für ein unabhängiges Tibet spricht, muss mit aggressiven Reaktionen rechnen. Genauso ergeht es mir, wenn ich in der Schweiz für ein geeintes China spreche. Ich habe schon sehr wütende Reaktionen erlebt, weil ich mich weigere, China zu verurteilen. Solche kulturelle Unterdrückung der Meinungsfreiheit wird bei uns aber höchstens als Menschenrechtsverletzung angesehen, wenn sie in anderen Kulturkreisen passiert.
Dann schauen wir auf die Medienfreiheit: wie wird bei uns verurteilt, wenn man in gewissen Ländern nicht alles in Zeitungen drucken darf. Und wie wird man bei uns fertig gemacht, wenn man sich öffentlich als Feind des Judentums ausgibt, als Nazi bekennt, oder sich positiv über Adolf Hitler äussert. Persönlich finde ich alle drei eben genannten Meinungen dumm und falsch, aber ich finde es macht deutlich, dass man auch bei uns nicht alles ungestraft sagen kann. Ob es nun Mohammed-Bilder, die Regierung, die politische Lage, oder eben bestimmte politische Ansichten sind, jede Gesellschaft hat Themen, die sie verbietet. Die eine mehr, die andere weniger. Der grosse Unterschied kommt wohl daher, ab wo sich eine herrschende Gruppe bedroht fühlt. Bei uns fühlt sich die herrschende Elite ziemlich sicher, daher kann sie recht viel erlauben. Sobald aber nicht gegen einzelne Politiker oder Parteien gehetzt wird, sondern die Demokratie als ganzes abgelehnt wird, da hört der Spass bei uns wieder auf.
Oder wie wäre es mit Frauenrechten? Mit welchem Recht verbieten es europäische Staaten, sein Gesicht zu verschleiern? Ich bin sicher, es ist ein schreckliches Gefühl, wenn einem Männer anstarren, wenn man dies sein Leben lang für etwas Schlechtes gehalten hat. Natürlich wollen wir den Schleierzwang verbieten, den man in Europa auch so lange kannte, aber dafür gleich die Freiheit eines Schleiers nehmen?
Kurz, was mir immer auffällt ist, dass wir sehr eifrig für Menschenrechte stehen, wenn es andere Kulturen sind, die Dinge anders tun als wir. Wir vergessen dabei stets, dass unsere Menschenrechte von Europäern definiert sind, und folglich dem europäischen Menschenbild entsprechen. Dieses für alle Menschen der Welt anzuwenden ist ethnozentrisch, oder etwas altertümlicher gesagt: imperialistisch. Wir sind heute genauso überzeugt, das wahre Menschenbild zu haben, wie es vor 500 Jahren europäische Missionare waren, die in Amerika scheussliche Greueltaten begingen im Namen der christlichen Kirche. Die Bibliothek von Tenochtitlan wurde verbrannt um die teuflischen Lügen zu vernichten, die dort aufgeschrieben waren. Die Sklavenhalter aus Europa wurden unterstützt, weil sie im Namen Jesu stattfand.
Heute wenden wir unseren Blick verschämt ab von unserer Vergangenheit, und sagen, dass seien ja nicht wir. Das widerspricht aber dem Volksbild vieler Kulturen (die Inder sprechen zum Beispiel von Karma, welches einem Volk über die Generationen hinweg anhaftet). In der chinesischen Erklärung der Menschenrechte steht zuoberst das Recht auf ein selbsterhaltendes Einkommen, auf Arbeit und ein Leben in minimalem Wohlstand. Und siehe da, China brilliert in der Verbesserung der Menschenrechte, während sich Europa rückwärts entwickelt, wenn man einmal den chinesischen Standart anwendet. Den 200 Millionen neureichen Chinesen steht bei den Europäern eine wachsende Zahl neuer Armer vor allem in Osteuropa gegenüber. Während in China jeder Bauer reisen darf (auch wenn er ohne Bewilligung auch keinen Anspruch auf sozialen Schutz hat), ist es manchen Europäern verboten. Sie werden zurückgeschafft in Länder wo sie herkamen, im Falle der Sinthi und Roma unter Verletzung ihrer jahrhundertealten nomadischen Lebensweise, wo sie sich seit jeher frei quer durch Europa bewegten. Diese Lebensweise passt nicht mehr ins moderne, totalüberwachte Europa und wird deshalb nur noch mit Bewilligung toleriert. Gleichzeitig kämpfen wir gegen das Verbot des Gottkönigtums im tibetischen China.
Bevor ich jetzt zu sehr ins Detail gehe und Dinge anspreche, die ohne genaue Kenntnisse der Lage kaum verständlich sind, schliesse ich diesen Post. Es ging mir darum zu zeigen, dass wir Europäer, wie alle anderen Kulturen auch, dann brillieren, wenn wir alle Kulturen nach unseren Massstäben messen. Messen wir uns nach den Massstäben anderer Kulturen, dann sind wir Mittelmass bis schlecht. Manche sind so ehrlich und sagen einfach, sie finden unsere Kultur besser und wollen das Ausleben anderer Kulturen bei uns verbieten. Ich stimme ihnen nicht zu, aber finde sie zumindest ehrlich. Manche erheben sich zum "objektiven Weltrichter" und deklarieren als "Kämpfer für die Menschenrechte" was gut und was böse ist. Sie halte ich für ganz niederträchtig und widerspreche ihnen wo ich kann, obwohl sie meist aus dem linken Lager kommen, dass mir sonst oft nähersteht.
Als letztes sei aus aktuellem Anlass noch gesagt: Wenn wir beginnen, unsere Menschenrechte in Wirtschaftsverträge zu schreiben, dann schaden wir uns selber zwar, nützen aber niemandem. Lernen wir lieber von anderen Kulturen, als stets auf das zu schauen, was uns an ihnen nicht passt.
Osama bin Laden hat dieses Recht in den Augen vieler im Westen verloren, in anderen Ländern verliert man dieses Recht, wenn man z.B. einen König beleidigt. Hier sollte bereits klar werden, dass die sogenannten "Schurkenstaaten" oder "Staaten, die die Menschenrechte mit Füssen treten" nicht grundlegend etwas anders machen als wir, sie setzen die Grenzen und Prioritäten einfach anders.
Da wäre einmal die Meinungsfreiheit. Dass man im privaten Kreise nicht sagen kann, was man denkt, das ist gefährlich und traurig. In der DDR soll es so gewesen sein, möglicherweise geht es in Nordkorea in die Richtung, in der chinesischen Kulturrevolution war es sicher so, und in den USA der frühen 50er (McCarthyism, Kommunistenjagt). Im heutigen China und wohl auch im Iran ist es problemlos möglich im geschlossenen Kreise einer Universität, oder im persönlichen Gespräch in der U-Bahn kritisch über die Regierung zu reden. Was aber gegen solche Gespräche spricht, sind die Gefühle der Lokalbevölkerung. Wer in China für ein unabhängiges Tibet spricht, muss mit aggressiven Reaktionen rechnen. Genauso ergeht es mir, wenn ich in der Schweiz für ein geeintes China spreche. Ich habe schon sehr wütende Reaktionen erlebt, weil ich mich weigere, China zu verurteilen. Solche kulturelle Unterdrückung der Meinungsfreiheit wird bei uns aber höchstens als Menschenrechtsverletzung angesehen, wenn sie in anderen Kulturkreisen passiert.
Dann schauen wir auf die Medienfreiheit: wie wird bei uns verurteilt, wenn man in gewissen Ländern nicht alles in Zeitungen drucken darf. Und wie wird man bei uns fertig gemacht, wenn man sich öffentlich als Feind des Judentums ausgibt, als Nazi bekennt, oder sich positiv über Adolf Hitler äussert. Persönlich finde ich alle drei eben genannten Meinungen dumm und falsch, aber ich finde es macht deutlich, dass man auch bei uns nicht alles ungestraft sagen kann. Ob es nun Mohammed-Bilder, die Regierung, die politische Lage, oder eben bestimmte politische Ansichten sind, jede Gesellschaft hat Themen, die sie verbietet. Die eine mehr, die andere weniger. Der grosse Unterschied kommt wohl daher, ab wo sich eine herrschende Gruppe bedroht fühlt. Bei uns fühlt sich die herrschende Elite ziemlich sicher, daher kann sie recht viel erlauben. Sobald aber nicht gegen einzelne Politiker oder Parteien gehetzt wird, sondern die Demokratie als ganzes abgelehnt wird, da hört der Spass bei uns wieder auf.
Oder wie wäre es mit Frauenrechten? Mit welchem Recht verbieten es europäische Staaten, sein Gesicht zu verschleiern? Ich bin sicher, es ist ein schreckliches Gefühl, wenn einem Männer anstarren, wenn man dies sein Leben lang für etwas Schlechtes gehalten hat. Natürlich wollen wir den Schleierzwang verbieten, den man in Europa auch so lange kannte, aber dafür gleich die Freiheit eines Schleiers nehmen?
Kurz, was mir immer auffällt ist, dass wir sehr eifrig für Menschenrechte stehen, wenn es andere Kulturen sind, die Dinge anders tun als wir. Wir vergessen dabei stets, dass unsere Menschenrechte von Europäern definiert sind, und folglich dem europäischen Menschenbild entsprechen. Dieses für alle Menschen der Welt anzuwenden ist ethnozentrisch, oder etwas altertümlicher gesagt: imperialistisch. Wir sind heute genauso überzeugt, das wahre Menschenbild zu haben, wie es vor 500 Jahren europäische Missionare waren, die in Amerika scheussliche Greueltaten begingen im Namen der christlichen Kirche. Die Bibliothek von Tenochtitlan wurde verbrannt um die teuflischen Lügen zu vernichten, die dort aufgeschrieben waren. Die Sklavenhalter aus Europa wurden unterstützt, weil sie im Namen Jesu stattfand.
Heute wenden wir unseren Blick verschämt ab von unserer Vergangenheit, und sagen, dass seien ja nicht wir. Das widerspricht aber dem Volksbild vieler Kulturen (die Inder sprechen zum Beispiel von Karma, welches einem Volk über die Generationen hinweg anhaftet). In der chinesischen Erklärung der Menschenrechte steht zuoberst das Recht auf ein selbsterhaltendes Einkommen, auf Arbeit und ein Leben in minimalem Wohlstand. Und siehe da, China brilliert in der Verbesserung der Menschenrechte, während sich Europa rückwärts entwickelt, wenn man einmal den chinesischen Standart anwendet. Den 200 Millionen neureichen Chinesen steht bei den Europäern eine wachsende Zahl neuer Armer vor allem in Osteuropa gegenüber. Während in China jeder Bauer reisen darf (auch wenn er ohne Bewilligung auch keinen Anspruch auf sozialen Schutz hat), ist es manchen Europäern verboten. Sie werden zurückgeschafft in Länder wo sie herkamen, im Falle der Sinthi und Roma unter Verletzung ihrer jahrhundertealten nomadischen Lebensweise, wo sie sich seit jeher frei quer durch Europa bewegten. Diese Lebensweise passt nicht mehr ins moderne, totalüberwachte Europa und wird deshalb nur noch mit Bewilligung toleriert. Gleichzeitig kämpfen wir gegen das Verbot des Gottkönigtums im tibetischen China.
Bevor ich jetzt zu sehr ins Detail gehe und Dinge anspreche, die ohne genaue Kenntnisse der Lage kaum verständlich sind, schliesse ich diesen Post. Es ging mir darum zu zeigen, dass wir Europäer, wie alle anderen Kulturen auch, dann brillieren, wenn wir alle Kulturen nach unseren Massstäben messen. Messen wir uns nach den Massstäben anderer Kulturen, dann sind wir Mittelmass bis schlecht. Manche sind so ehrlich und sagen einfach, sie finden unsere Kultur besser und wollen das Ausleben anderer Kulturen bei uns verbieten. Ich stimme ihnen nicht zu, aber finde sie zumindest ehrlich. Manche erheben sich zum "objektiven Weltrichter" und deklarieren als "Kämpfer für die Menschenrechte" was gut und was böse ist. Sie halte ich für ganz niederträchtig und widerspreche ihnen wo ich kann, obwohl sie meist aus dem linken Lager kommen, dass mir sonst oft nähersteht.
Als letztes sei aus aktuellem Anlass noch gesagt: Wenn wir beginnen, unsere Menschenrechte in Wirtschaftsverträge zu schreiben, dann schaden wir uns selber zwar, nützen aber niemandem. Lernen wir lieber von anderen Kulturen, als stets auf das zu schauen, was uns an ihnen nicht passt.
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