Ich staunte nicht schlecht als ich auf der Ketchup-Flasche las: “A heart-healthy diet begins with a generous serving of ketchup in the morning”. Das war vor drei Jahren. Aber es hat sich in dem Bezug nicht viel geändert. Da wäre zum Beispiel die „Gesundheitsabteilung“ im Supermarkt wo Produkte für eine gesunde Ernährung angeboten werden: Wie wäre es mit Kellog’s Cornflakes? Zugegeben, die Cornflakes selber enthalten keinen Zucker, aber wie werden sie gegessen? In Milch und Zucker. Und selbst ohne Milch und Zucker sind sie nichts als völlig nährstoffarme Kohlenhydrate, die wohl kaum als gesund gelten können.
Doch man muss ja nicht gleich lügen, um Nahrung auf komische Art zu verkaufen. Wie wäre es mit Freilandeiern, die nicht datiert sind? Gekocht sind sie Glückssache: manche wirken ganz frisch und lassen sich auch dementsprechend gut schälen, andere haben eine ganz komische Konsistenz und das Eiweiss klebt förmlich an der Schale, wenn man die Eier zu schälen versucht. Und zwar Eier die aus der gleichen Schachtel kommen. Normalerweise würde ich ja die Marke wechseln, aber es sind die einzigen Freilandeier, zudem bedeutet mir der Satz „no hormones“ bei Eiern relativ viel.
Ebenfalls schön finde ich das Starkbier, welches zwar betont wie stark es sei, aber auf der Flasche steht nirgends, wie viel Volumenprozent Alkohol denn tatsächlich drin ist.
Kurz, hier wird den Grosskonzernen vieles erlaubt, was bei uns verboten wäre. Ganz bösartig sind die subtilen Werbungen, die mit dem philippinischen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Europäern (die sie meist für Amerikaner halten) spielen. Als Beispiel diene die Nestlé Babymilch Werbung, wo eine weisse Mutter ihr weisses Baby mit Ersatznahrung füttert und so in etwa „Babynahrung, für rundum gesunde Babies“ auf dem Plakat steht. Nun muss man wissen, dass die Philippinos nach 300 Jahren spanischer Besatzung den Weiss-Kult völlig verinnerlicht haben. In Unmengen reiben sich vor allem Frauen sogenannte „whitening soap“ auf die Haut, von der ich gar nicht wissen will, was für Chemikalien sie der Haut alles zumutet. Wenn nun ein Plakat suggeriert, im Westen füttere man die Babies nur mit Ersatznahrung, oder gar, Ersatznahrung führe zu hellerer Haut, so grenzt das an ein Verbrechen an der Gesundheit der Babies.
Ganz allgemein im Bezug auf Werbung gibt es in den Philippinen nur ein Verkaufsargument: Preis. Alles ist immer am günstigsten. Gemäss Marketing-Theorie können Firmen sich über tieferen Preis oder „Differenzierung“ (also bessere Qualität, höhere Verfügbarkeit, etc.) von der Konkurrenz absetzen. Hier scheint es nur den Weg über den Preis zu geben. Selbst Luxusartikel verkaufen sich als „vergleichsweise günstig“.
Werbung gibt es in einem geradezu lächerlichen Ausmass. Ich habe noch nie so viel Werbung so dicht gedrängt gesehen wie hier in Manila. Was komisch ist, da Manila ja eines der tiefsten Pro-Kopf-Einkommen von allen Städten, die ich je besucht habe (und das sind viele), hat. Die mangelnde Kaufkraft der Einwohner soll wohl mit erhöhter Werbung wettgemacht werden. Das geht soweit, dass in der Hochbahn (sowas wie eine U-Bahn über Grund, von der es 3 völlig überlastete Linien gibt in Manila) am morgen akustische Werbung die Nerven der Bahnfahrer strapaziert: ein quengelndes Baby dröhnt aus den Lautsprechern und nach etwa 30 Sekunden kommt eine Stimme die sagt: „This babylaughter was brought to you by Energizer“. Ich werde nie wieder Energizer Batterien kaufen, wenn ich es irgendwie verhindern kann. Oder wie wäre es mit einer Radioeinschaltung wo der Moderator sagt: „es ist 8:30. Diese Zeitdurchsage wurde präsentiert von McDonalds. McDonalds zu jeder Zeit genau richtig“…
Grundsätzlich gibt es drei Typen von Werbung: Gesundheitszerstörer (Bier, Schnaps, Pizza, Fast-Food), Medikamente, Kreditanbieter und Jesus. Es wirkt fast wie ein Kreislauf: Zuerst zerstören sich die Leute ihre Gesundheit mit schrecklicher Ernährung (das Ausmass an Übergewicht steht den USA in fast nichts nach trotz viel tieferem Durchschnittseinkommen), dann brauchen sie Medikamente, welche die Nieren und Lebern noch weiter zerstören, und schiesslich enden sie in der Schuldenfalle worauf ihnen nur noch ein Wunder helfen kann.
Kapitalismus und Kirche, dass ist das System der Philippinen. Hier ist mein bester Beweis, dass „Freiheit und Demokratie“ nicht glücklich machen. Von der himmelschreienden Korruption in diesem Land später mehr.